{"id":323,"date":"2012-01-19T11:49:47","date_gmt":"2012-01-19T09:49:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.urban-studies.eu\/?p=323"},"modified":"2012-01-19T11:49:47","modified_gmt":"2012-01-19T09:49:47","slug":"confreport-metropolenkultur-im-transfer-orte-inszenierungen-netzwerke-1880-1930-german","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.urban-studies.eu\/?p=323","title":{"rendered":"ConfReport: Metropolenkultur im Transfer. Orte &#8211; Inszenierungen &#8211; Netzwerke 1880-1930 (German)"},"content":{"rendered":"<pre>Institut f\u00fcr vergleichende St\u00e4dtegeschichte, Universit\u00e4t M\u00fcnster;\r\nKuratorium f\u00fcr vergleichende St\u00e4dtegeschichte e.V.;\r\nArbeitsbereich Zeitgeschichte, Freie Universit\u00e4t Berlin\r\n15.03.2010-16.03.2010, M\u00fcnster\r\n\r\nBericht von:\r\nJohanna Niedbalski \/ Anna Littmann, Berlin\r\nE-Mail: <a href=\"mailto:j.niedbalski@fu-berlin.de\">&lt;j.niedbalski@fu-berlin.de&gt;<\/a>; <a href=\"mailto:annalittmann@gmx.net\">&lt;annalittmann@gmx.net&gt;<\/a>\r\n\r\nIm Titel des diesj\u00e4hrigen Fr\u00fchjahrskolloquiums des Instituts f\u00fcr\r\nvergleichende St\u00e4dtegeschichte in M\u00fcnster verbanden sich zwei gro\u00dfe\r\nBegriffe, die ein viel versprechendes Forschungsfeld abstecken: die\r\nMetropolen und ihre Kultur. Die Transformationsprozesse der Jahrzehnte\r\num 1900 lie\u00dfen durch Industrialisierung und Verst\u00e4dterung urbane\r\nBallungsr\u00e4ume neuer Qualit\u00e4t entstehen. Ein zentrales Element dieser\r\nVer\u00e4nderungen waren, so die der Konferenz zugrunde liegende Annahme, die\r\nEntstehung und Ausdifferenzierung einer neuen, spezifisch\r\ngro\u00dfst\u00e4dtischen Vergn\u00fcgungskultur. Diese metropolitanen Kulturformen -\r\nbeispielsweise Theater, Zirkus, Panorama, Festumzug, Kino oder Kneipe -\r\nstanden im Mittelpunkt der Vortr\u00e4ge und Diskussionen der Tagung. In den\r\nSektionen \"Orte\", \"Medien\" und \"Netzwerke\" wurde diskutiert, wie sich\r\ndie Metropolenkultur in der Formierungsphase der Moderne herausbildete,\r\ninwiefern sie sich von fr\u00fcheren Formen des st\u00e4dtischen Vergn\u00fcgens\r\nunterschied und welche spezifischen Ausdrucksformen sie im Kontext der\r\nMetropolen um 1900 annehmen konnte.\r\n\r\nIn seiner Keynote erinnerte KASPAR MAASE (T\u00fcbingen) zun\u00e4chst an eine\r\nKehrseite der Metropolenkultur: In weiten Kreisen - vor allem des\r\nB\u00fcrgertums - sei die Vergn\u00fcgungskultur der Jahrhundertwende keineswegs\r\nals Bereicherung empfunden, sondern als \"Schmutz\" und \"Schund\" und somit\r\nals Gefahr angesehen worden. Er betonte, dass mit der Herausbildung der\r\ngro\u00dfst\u00e4dtischen Vergn\u00fcgungskultur eine zuvor unbekannte F\u00fclle von Wissen\r\nproduziert worden sei. Dieses Wissen sei in den Gro\u00dfst\u00e4dten durch\r\nzahlreiche neue visuelle Medien jeder Bewohnerin und jedem Bewohner\r\njederzeit zug\u00e4nglich gewesen. Zahlreiche Zeitgenossen h\u00e4tten dies\r\nallerdings als hoch problematisch eingesch\u00e4tzt, da sich Kinder und\r\nJugendliche die neuen Vergn\u00fcgungs- und Wissenskulturen, die zuvor\r\nausschlie\u00dflich den Erwachsen zug\u00e4nglich gewesen seien, eigenst\u00e4ndig\r\nh\u00e4tten aneignen k\u00f6nnen. Die bunt schillernde und omnipr\u00e4sente\r\n\"Kakophonie\" der Unterhaltungskultur habe eine st\u00e4ndige Verlockung\r\ndargestellt und daher - so Maase - die Sorgen von Eltern, P\u00e4dagogen,\r\nKirchenvertretern und staatlichen Organen geweckt. \r\n\r\nDie beiden folgenden Vortr\u00e4ge legten den Schwerpunkt auf die Orte der\r\nmetropolitanen Vergn\u00fcgungskultur. TOBIAS BECKER (Berlin) fragte in\r\nseinem Beitrag, ob Vergn\u00fcgungsviertel in Metropolen um 1900 als\r\nHeterotopien im Sinne Foucaults verstanden werden k\u00f6nnten. Am Beispiel\r\nvon f\u00fcnf St\u00e4dten aus Nordamerika, Europa und Asien und anhand von sieben\r\nCharakteristika entwarf Becker den Idealtypus eines Vergn\u00fcgungsviertels\r\num 1900. Vergn\u00fcgungsviertel seien demnach Orte gewesen, die durch ihre\r\nLiminalit\u00e4t ungew\u00f6hnliches oder von der gesellschaftlichen Norm\r\nabweichendes Verhalten zugelassen haben. Klassengegens\u00e4tze und die\r\nTrennung der Geschlechter seien hier tendenziell aufgeweicht worden.\r\nTheatrale und mediale Inszenierungen pr\u00e4gten die Viertel ebenso wie die\r\neindeutig kommerzielle Ausrichtung ihrer Angebote. Vergn\u00fcgungsviertel\r\nk\u00f6nnten - so das Res\u00fcmee des Vortrags - nicht nur als Heterotopien und\r\nGegenorte verstanden werden. Sie leisteten auch als Begegnungsr\u00e4ume\r\neinen wichtigen Beitrag zur Anpassung der Bewohnerinnen und Bewohner an\r\ndas Leben in der Gro\u00dfstadt. Mit diesem Abschlussgedanken bezog sich\r\nBecker auf den Kulturwissenschaftler Gottfried Korff und dessen Konzept\r\nder \"inneren Urbanisierung\".\r\n\r\nDer Beitrag von SVEN OLIVER M\u00dcLLER (Bielefeld) konzentrierte sich auf\r\nOpern- und Konzerth\u00e4user in Metropolen und auf den Wandel der\r\nMusikrezeption und der Interaktion zwischen Publikum und B\u00fchnengeschehen\r\nim Laufe des 19. Jahrhunderts. Das \u00f6ffentliche Leben in den Auditorien\r\nder Musikh\u00e4user sei zun\u00e4chst auf Sichtbarkeit und Kommunikation,\r\nSelbstinszenierung und Genuss ausgerichtet gewesen und im Gegensatz zu\r\nheute erheblich undisziplinierter. Das schweigende H\u00f6rverhalten des\r\nPublikums habe sich erst im Laufe des 19. Jahrhunderts verbreitet, als\r\ndie Musikrezeption zunehmend zur Sinnstiftung und zum\r\nRepr\u00e4sentationsbed\u00fcrfnis des b\u00fcrgerlichen Publikums beigetragen habe.\r\nDieser Wandel sei - so M\u00fcller - von Deutschland ausgegangen und habe\r\nsich zum Beispiel in Gro\u00dfbritannien erst mit zeitlicher Verz\u00f6gerung\r\ndurchgesetzt. Eine Nationalisierung, etwa die massive Abgrenzung\r\n\"nationaler\" Musikstile, sei bei diesem Prozess paradoxerweise mit einer\r\ngleichzeitigen Europ\u00e4isierung des Publikumsverhaltens und der\r\nMusikrezeption einhergegangen.\r\n\r\nIn seinem Abendvortrag entwarf PAUL NOLTE (Berlin) ein Bild der\r\nMetropolen um 1900 als Kristallisationspunkte der Moderne, in denen sich\r\ngesellschaftliche und kulturelle Prozesse \u00fcberlagerten und damit Orte\r\nvon besonderer Qualit\u00e4t schufen. Er analysierte zun\u00e4chst die Bedingungen\r\nund Voraussetzungen, die die Erfahrung und Lebenswirklichkeit der\r\nBewohner einer sehr gro\u00dfen Stadt gepr\u00e4gt haben. Wichtig w\u00e4ren vor allem\r\ndas Bev\u00f6lkerungswachstum, die Verdichtung der Wohnfl\u00e4chen und des\r\nVerkehrs, der zunehmende Stadt-Land-Gegensatz und die Entnaturierung der\r\nStadtlandschaft sowie die Kommerzialisierung und die Herausbildung der\r\nKonsumkultur gewesen. Noch g\u00e4be es keine griffige Definition, man k\u00f6nne\r\naber drei Merkmale als konstitutiv f\u00fcr die Metropolenkultur um 1900\r\nansehen: Sinnliche Wahrnehmung, vor allem die zahllosen visuellen sowie\r\nauditiven Reize und \u00c4sthetisierung der Alltagsgegenst\u00e4nde und der\r\nK\u00f6rper; die Re-Inszenierung der gro\u00dfst\u00e4dtischen Erfahrungen und\r\nErlebniswelten auf einer weiteren Erfahrungsebene (zum Beispiel in\r\nWeltausstellungen) sowie die mit der Metropolenkultur einhergehende\r\nEntgrenzung der sozialen Ordnung. Viele Aspekte m\u00fcssten derzeit noch als\r\nForschungsdesiderate angesehen werden. Auch d\u00fcrfen \u00fcber die\r\nBesch\u00e4ftigung mit der Vergn\u00fcgungskultur nicht die \"Gegenwelten\"\r\nvernachl\u00e4ssigt werden. Gegenwelten zur Metropolenkultur w\u00e4ren die\r\nArbeitswelten, die industriellen Produktionsst\u00e4tten der Gro\u00dfst\u00e4dte, die\r\nSph\u00e4ren der Politik und der kommunalen Stadtplanung, der Religion und\r\nder Weltanschauungen. So lasse sich die Metropole um 1900 nicht allein\r\nauf ihre Vergn\u00fcgungskultur reduzieren, auch wenn diese zweifellos eine\r\nentscheidende Erfahrungsebene ihrer Bewohnerinnen und Bewohner war.\r\n\r\nDie zweite Sektion wurde durch einen Vortrag von HANNO HOCHMUTH und\r\nJOHANNA NIEDBALSKI (beide Berlin) eingeleitet. Sie zeigten am Beispiel\r\neines kleinb\u00fcrgerlich-proletarisch gepr\u00e4gten Stadtviertels im Berliner\r\nOsten, wie vielf\u00e4ltig die lokale Vergn\u00fcgungslandschaft jenseits der\r\nbekannten innerst\u00e4dtischen Vergn\u00fcgungsviertel sein konnte. Die zahllosen\r\nKneipen, das kleine Ladenkino um die Ecke, aber auch Theater und\r\nKonzerth\u00e4user haben sich an die lokale Bev\u00f6lkerung des unmittelbaren\r\nEinzugsgebiets gerichtet. F\u00fcr diese Angebote der Metropolenkultur\r\nschlugen die beiden Vortragenden den Begriff des \"Kiezvergn\u00fcgens\" vor.\r\nIm Kiezvergn\u00fcgen habe es Orte gegeben, die das gesamte soziale Spektrum\r\nder Bewohner des Viertels repr\u00e4sentierten aber auch Orte, die die\r\nsozialen Unterschiede abbildeten und reproduzierten. W\u00e4hrend im\r\nKiezvergn\u00fcgen also sowohl soziale Inklusion \u00fcber Klassen- und\r\nGeschlechtergrenzen hinweg als auch klare Segregation erkennbar gewesen\r\nseien, besch\u00e4ftigte sich MATTHIAS WARSTAT (Erlangen-N\u00fcrnberg) mit einer\r\nKultur, die sich eindeutig einem bestimmten sozialen Milieu zuordnen\r\nl\u00e4sst: der Kultur der Arbeiterbewegung. Warstat zeigte, dass sich auch\r\ndie Feste der Arbeiterbewegung in den Metropolen nach 1900 stark\r\ngewandelt haben. Die fr\u00fcheren Arbeiterbewegungsfeste haben sich dabei in\r\nmetropolitane Massenveranstaltung transformiert. Dieser Wandel sei in\r\nAnlehnung an und in Konkurrenz zur kommerziellen Vergn\u00fcgungskultur\r\nerfolgt, aber auch unter dem Einfluss der Theateravantgarde.\r\nInsbesondere seit 1918 haben die Feste der Arbeiterbewegung zunehmend\r\nperformative Darbietungen und Vergn\u00fcgungen integriert. Mit Josette\r\nF\u00e9rals Theatralit\u00e4tsdefinition, die auf die Metapher der \"Passage\"\r\nrekurriert, erl\u00e4uterte Warstat, dass die neuen Feierpraktiken somit in\r\nAns\u00e4tzen einen \u00dcbergang zwischen den starren Grenzen der Milieus\r\nerm\u00f6glicht haben. \r\n\r\nDer dritte Vortrag der Tagungssektion \"Inszenierungen\" konzentrierte\r\nsich auf die rein kommerziellen Vergn\u00fcgungsorte der Zirkusse, Panoptiken\r\nund Variet\u00e9s. SYLKE KIRSCHNICK (Potsdam) zeigte anhand zahlreicher\r\nBeispiele, mit welchen Strategien zum Beispiel Zirkusbetreiber ihre\r\nAngebote als \"Schaul\u00e4den der Gro\u00dfstadt\" inszenierten, bei denen die\r\nAnschaulichkeit und der Schauwert der einzelnen Attraktionen im\r\nVordergrund gestanden haben. Da die Aussicht auf einen kommerziellen\r\nErfolg hier das wichtigste Kriterium f\u00fcr die Gestaltung der Vorf\u00fchrungen\r\ngewesen sei, wurden Publikumsw\u00fcnsche, aber auch aktuelle Ereignisse in\r\ndie Darbietungen eingewoben. Anhand des Beispiels der popul\u00e4reren\r\nZirkusvorstellungen l\u00e4sst sich die bereits im Vortrag von Paul Nolte\r\nangesprochene Ebene der Verarbeitung gro\u00dfst\u00e4dtischer Erfahrungen in der\r\nMetropolenkultur nachvollziehen.\r\n\r\nIn der abschlie\u00dfenden Sektion standen transnationale Netzwerke der\r\nmetropolitanen Kultur im Vordergrund. PETER W. MARX (Bern) besch\u00e4ftigte\r\nsich mit Transferprozessen und Vernetzungen zwischen den Theaterstars\r\nder europ\u00e4ischen Metropolen sowie mit Adaptionen von Schauspielsstilen,\r\nRollenstereotypen oder Repertoires. Am Beispiel der Schauspielerin Jenny\r\nGro\u00df, die um 1900 am Berliner Lessingtheater wirkte, machte Marx\r\ndeutlich, wie die Modeindustrie den \"Dernier Cri\" durch das Medium des\r\nTheaters von der B\u00fchne in die Gro\u00dfstadt vermittelt habe. In der Person\r\nJenny Gro\u00df vereinten sich aber auch zahlreiche Ambivalenzen und\r\nSchattenseiten eines Lebens als internationaler Star: Das Ringen um\r\nSelbst\u00e4ndigkeit bzw. Emanzipation sei h\u00e4ufig als Gier diffamiert worden\r\nund konnte sich durchaus in das Gegenteil verwandeln und in Abh\u00e4ngigkeit\r\n(bis hin zur Prostitution) f\u00fchren. Dies habe auf Jenny Gro\u00df in\r\nbesonderer Weise zugetroffen, da sie als Frau und als J\u00fcdin zahlreichen\r\nAnfeindungen ausgesetzt gewesen sei. Ihre Emanzipation konnte nur\r\ninnerhalb der Logik der Metropolenkultur erfolgen: Der K\u00f6rper der\r\nSchauspielerin sei zur Ware auf der B\u00fchne, zum lebenden Modejournal\r\ngeworden. Die Inszenierungen der B\u00fchnenschauspielerin haben sich mit\r\nihrem strategisch inszenierten Privatleben vermischt. \r\n\r\nKERSTIN LANGE (Leipzig) untersuchte in ihrem Vortrag den Transfer des\r\nargentinischen Tango in die europ\u00e4ischen Metropolen, die Reaktionen der\r\nprofessionellen Tanzlehrer und die Praktiken, die sie im Umgang mit der\r\nHerausforderung des \"fremden\" Tanzes entwickelten. W\u00e4hrend Tanzlehrer\r\nzuvor als moralische und physische Erzieher fungiert haben, die die\r\nnationale Kultur in die K\u00f6rper ihrer zumeist b\u00fcrgerlichen Sch\u00fcler\r\neingeschrieben haben, sahen sie sich ab dem Ende des 19. Jahrhunderts\r\neiner F\u00fclle neuer und \"fremder\" Einfl\u00fcsse ausgesetzt. Zuvor ungewohnte\r\nK\u00f6rperpraktiken, ver\u00e4nderte Sehgewohntheiten und akustische und\r\nmusikalische Neuerungen haben die bisher eurozentrisch gepr\u00e4gten\r\nTanzgewohnheiten in den Metropolen ver\u00e4ndert. Eine regelrechte\r\n\"Tango-Manie\" habe sich ausgebreitet. Auf diese Ver\u00e4nderungen sei\r\nseitens der Tanzlehrer in Paris und Berlin unterschiedlich reagiert\r\nworden. W\u00e4hrend in Paris der Tango aufgenommen und durch gezielte\r\nVer\u00e4nderungen der Choreographie \"franz\u00f6sisiert\" worden sei, haben ihn\r\ndie Tanzlehrer in Berlin als Unterschichtentanz zun\u00e4chst grunds\u00e4tzlich\r\nabgelehnt. Die neuen T\u00e4nze seien hier als Bedrohung einer nationalen\r\nTanzkultur empfunden und die zunehmende Transnationalit\u00e4t der\r\nmetropolitanen Kultur - und hier l\u00e4sst sich ein Bogen zum Vortrag von\r\nKaspar Maase spannen - als Gefahr und nicht als Bereicherung\r\nwahrgenommen worden. \r\n\r\nIn seinem Schlusskommentar beschrieb HABBO KNOCH (Celle) die Popul\u00e4r-\r\nund Metropolenkultur als Schmelztiegel, der gepr\u00e4gt war von permanenter\r\nInnovation - der Vermischung und (Neu)-Erfindung von Stilen, Gattungen\r\nund R\u00e4umen des Vergn\u00fcgens. Anhand von zehn Punkten fasste er\r\nGemeinsamkeiten der in den Vortr\u00e4gen geschilderten Ph\u00e4nomene zusammen,\r\nzeigte aber auch Br\u00fcche und Spannungsfelder auf und konstatierte\r\nForschungsl\u00fccken. Die Metropolenkultur als Herausforderung der\r\nbestehenden normativen Ordnung, das Spannungsfeld zwischen Aufl\u00f6sung und\r\nFortbestand der sozialen Segregation, die Rolle der Metropolenkultur bei\r\nder Entstehung der modernen Dienstleistungs- und Konsumgesellschaft und\r\ndie Erzeugung von illusion\u00e4ren Welten in der Kultur der Metropolen haben\r\nin den Vortr\u00e4gen immer wieder eine Rolle gespielt. Andere Aspekte\r\nhingegen m\u00fcssten noch st\u00e4rker beleuchtet werden, zum Beispiel stehe eine\r\nsorgf\u00e4ltige Periodisierung der Metropolenkultur noch aus. Auch mahnte\r\nKnoch, dass eine st\u00e4rkere Ber\u00fccksichtigung der Akteure und Rezipienten\r\nder Metropolenkultur erfolgen m\u00fcsse und der Imperialismus, die\r\nGlobalisierung und die Nationalisierung noch intensiver in den Blick\r\ngenommen werden sollten. \r\n\r\nAuch in der Abschlussdiskussion zeichnete sich ab, was anfangs bereits\r\nangedeutet wurde: Die beiden Begriffe \"Metropole\" und \"Kultur\" zu\r\ndefinieren, geschweige denn ihren Zusammenhang umfassend zu kl\u00e4ren,\r\nkonnte auch diese anderthalbt\u00e4gige Konferenz nicht endg\u00fcltig leisten.\r\nSowohl die Vortr\u00e4ge als auch die Diskussionen zeigten aber, dass die\r\nMetropolenkultur der \"langen Jahrhundertwende\" zahlreiche\r\nherausfordernde - und nicht zuletzt vergn\u00fcgliche - Forschungsfelder und\r\nForschungsfragen bereith\u00e4lt, die l\u00e4ngst noch nicht ersch\u00f6pfend\r\nbearbeitet und beantwortet sind.\r\n\r\nKonferenz\u00fcbersicht:\r\n\r\nI. Einf\u00fchrung\r\nModeration: Werner Freitag (M\u00fcnster)\r\n\r\nPaul Nolte (Berlin): Einf\u00fchrung in das Thema\r\n\r\nKaspar Maase (T\u00fcbingen): \"Quellen \u00f6ffentlicher Sinnenerregung und\r\nGeistesverwirrung\". Metropolenkultur und Sichtbarkeit des Wissens vor\r\ndem Ersten Weltkrieg\r\n\r\nII. Orte\r\nModeration: Armin Owzar (San Diego\/M\u00fcnster)\r\n\r\nTobias Becker (Berlin): Das Vergn\u00fcgungsviertel. Heterotopischer Ort in\r\nder Metropole?\r\n\r\nSven Oliver M\u00fcller (Bielefeld): Das Publikum als Metropole. Das\r\nMusikleben in Berlin, London und Wien im 19. Jahrhundert\r\n\r\nPaul Nolte (Berlin): Die Modernit\u00e4t der Metropole. Internationale\r\nAufbr\u00fcche um 1900\r\n\r\nIII. Inszenierungen\r\nModeration: Martin Baumeister (M\u00fcnchen)\r\n\r\nHanno Hochmuth, Johanna Niedbalski (beide Berlin): Kiezvergn\u00fcgen in der\r\nMetropole. Zur sozialen Topographie des Vergn\u00fcgens im Berliner Osten\r\n\r\nMatthias Warstat (Erlangen-N\u00fcrnberg): Milieu und Metropole. Theatrale\r\nPassagen der deutschen Arbeiterbewegung nach 1900\r\n\r\nSylke Kirschnick (Potsdam): Schaul\u00e4den der Gro\u00dfstadt. \u00dcber Zirkus,\r\nPanoptikum und Variet\u00e9 \r\n\r\nIV. Netzwerke\r\nModeration: Thomas Gro\u00dfb\u00f6lting (M\u00fcnster)\r\n\r\nPeter W. Marx (Bern): Als Gro\u00dfkapitalistin im B\u00fchnenreich. Die\r\nSchauspielerin Jenny Gro\u00df und der Starkult im Wechselspiel der\r\nMetropolen\r\n\r\nKerstin Lange (Leipzig): \"Les danses nouvelles\" in der alten Welt.\r\nAkteure in Paris und Berlin vor neuen Herausforderungen\r\n\r\nHabbo Knoch (Celle): Schlusskommentar\r\n\r\nURL zur Zitation dieses Beitrages\r\n<a href=\"http:\/\/hsozkult.geschichte.hu-berlin.de\/tagungsberichte\/id=3206\">&lt;http:\/\/hsozkult.geschichte.hu-berlin.de\/tagungsberichte\/id=3206&gt;<\/a>\r\n\r\n------------------------------------------------------------------------\r\nCopyright (c) 2010 by H-Net and Clio-online, all rights reserved. This\r\nwork may be copied and redistributed for non-commercial, educational use\r\nif proper credit is given to the author and to the list. For other\r\npermission, please contact <a href=\"mailto:H-SOZ-U-KULT@H-NET.MSU.EDU\">H-SOZ-U-KULT@H-NET.MSU.EDU<\/a>.<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Institut f\u00fcr vergleichende St\u00e4dtegeschichte, Universit\u00e4t M\u00fcnster; Kuratorium f\u00fcr vergleichende St\u00e4dtegeschichte e.V.; Arbeitsbereich Zeitgeschichte, Freie Universit\u00e4t Berlin 15.03.2010-16.03.2010, M\u00fcnster Bericht von: Johanna Niedbalski \/ Anna Littmann, Berlin E-Mail: &lt;j.niedbalski@fu-berlin.de&gt;; &lt;annalittmann@gmx.net&gt; Im Titel des diesj\u00e4hrigen Fr\u00fchjahrskolloquiums des Instituts f\u00fcr vergleichende St\u00e4dtegeschichte in M\u00fcnster verbanden sich zwei gro\u00dfe Begriffe, die ein viel versprechendes Forschungsfeld abstecken: die Metropolen und &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.urban-studies.eu\/?p=323\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &#8220;ConfReport: Metropolenkultur im Transfer. 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