{"id":327,"date":"2012-01-19T11:52:45","date_gmt":"2012-01-19T09:52:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.urban-studies.eu\/?p=327"},"modified":"2012-01-19T11:52:45","modified_gmt":"2012-01-19T09:52:45","slug":"tagber-kartenwissen-territoriale-raume-zwischen-bild-und-diagramm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.urban-studies.eu\/?p=327","title":{"rendered":"Tagber: KartenWissen: Territoriale R\u00e4ume zwischen Bild und          Diagramm"},"content":{"rendered":"<p>Stephan G\u00fcnzel \/ Lars Nowak, Historisch-Kulturwissenschaftliches<br \/>\nForschungszentrum Trier<br \/>\n30.06.2010-02.07.2010, Trier<\/p>\n<p>Bericht von:<br \/>\nHedwig Wagner, Zentrum f\u00fcr Medien und Interaktivit\u00e4t,<br \/>\nJustus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen,<br \/>\nE-Mail:<\/p>\n<p>Die Trierer Tagung war von der Konzeption getragen auf der Grundlage von<br \/>\nAnalysen historischer und aktueller See-, Himmels-, Land- und<br \/>\nStadtkarten die Kartographiegeschichte , die Raum in historischer<br \/>\nHinsicht thematisiert, mit Kulturwissenschaft zu verbinden, die an der<br \/>\nHistorisierung des Raums interessiert ist. Die Reflexion von Raum in der<br \/>\nPluralit\u00e4t r\u00e4umlicher Formen und medialer Vermittlungen zu betreiben,<br \/>\nalso R\u00e4umlichkeiten als Verbindung von Wissen und Medialit\u00e4t zu denken<br \/>\nund zu erkennen, dass Information abh\u00e4ngig ist von der medialen<br \/>\nVermittlung, die zwischen Bild und Diagramm steht, das war die<br \/>\nAufgabenstellung der Tagung. Die Schwerpunkte waren erstens die<br \/>\ntheoretische Fragestellung nach der Karte zwischen Bild und Diagramm,<br \/>\ndie auf die Semiotik abzielte, (G\u00fcnzel, Farinelli, P\u00e1pay, Nowak);<br \/>\nzweitens Karten in den K\u00fcnsten Bildende Kunst (Sick, Leeb), Architektur<br \/>\n(Schelbert) und Literatur (von Sch\u00f6ning) sowie in den Medien Fotographie<br \/>\n(Starl) und Film (Nowak) und drittens Karten und Kartographie in<br \/>\nverschiedenen historischen Epochen, der Antike, speziell Ptolemaios<br \/>\n(St\u00fcckelberger), dem Mittelalter (von den Brincken), der Neuzeit<br \/>\n(G\u00fcnzel, Howitz, Uhrmacher), dem 19.Jahrhundert (von Sch\u00f6ning) und 20<br \/>\nJahrhundert (Starl, Nowak) und der Jetztzeit (Schramm).<\/p>\n<p>STEPHAN G\u00dcNZEL (Trier) er\u00f6ffnete die Tagung mit einer auf sehr hohem<br \/>\nNiveau gehaltenen theoretischen Einf\u00fchrung in das Verh\u00e4ltnis der Karte<br \/>\nzum Bild einerseits und zum Diagramm andererseits. Der Tagungsleiter gab<br \/>\ndabei eine grunds\u00e4tzliche Orientierung, ohne sich zu sehr in den Details<br \/>\nder (Pierce&#8217;schen) Semiotik zu verlieren. In der Neuzeit nun, so G\u00fcnzel,<br \/>\narbeiteten Karten mit Netzentw\u00fcrfen, die ein Raster f\u00fcr Geoinformationen<br \/>\ndarstellen, einer Eintragungsm\u00f6glichkeit ungeachtet des konkreten<br \/>\nempirisch zu erfassenden Territoriums. In diesem Sinne gehe die Karte<br \/>\ndem Territorium voraus und sei eine reine M\u00f6glichkeit der Eintragung.<br \/>\nDie Repr\u00e4sentation mache die Welt zum Bild. Beim apriorisch<br \/>\nkonstruierten Darstellungsraum falle, so die Schlussfolgerung G\u00fcnzels,<br \/>\ndie systematische Unterscheidung von Diagramm und Bild zusammen, der<br \/>\nRaum sei zum Bild geworden.<\/p>\n<p>Die enge wissenschaftliche Fokussierung seitens der Veranstalter,<br \/>\nStephan G\u00fcnzel und Lars Nowak vom Historisch-Kulturwissenschaftlichen<br \/>\nForschungszentrum an der Uni Trier (HKFZ), die territorialen R\u00e4ume<br \/>\nzwischen Bild und Diagramm zu denken, war f\u00fcr viele Vortragende leitend.<br \/>\nGanz dezidiert widmete sich dieser hochkomplexen Denkaufgabe der<br \/>\nKartograph GYULA PAPAY (Rostock), der eine eigenst\u00e4ndige semiotische<br \/>\nKlassifizierung der Karte entwarf und die zeichentheoretische Bestimmung<br \/>\nvon Bild und Diagramm in all ihren Bestimmungen und<br \/>\nDistinktionskriterien mittels einer Powerpoint-Pr\u00e4sentation in<br \/>\nDiagrammen visuell vermittelt pr\u00e4sentierte und die Karte als spezifische<br \/>\nZeichenkonfiguration zwischen Bild und Diagramm bestimmte. In dieser<br \/>\nSpezifizierung ging er weit \u00fcber seine in der Kulturwissenschaft breit<br \/>\nrezipierten Artikelver\u00f6ffentlichungen hinaus.[1] Das ebenso reichhaltige<br \/>\nKartenmaterial, das er pr\u00e4sentierte, vermittelte sehr gut zwischen<br \/>\nTheorie und Anschauung. ALFRED ST\u00dcCKELBERGER (Bern) f\u00fchrte ebenfalls mit<br \/>\nvielen Bildfolien sehr detailliert und in gro\u00dfer Kennerschaft das Wissen<br \/>\nund die Grundz\u00fcge der Kartierung von Ptolemaios vor, indem er das Wissen<br \/>\nder Antike, das sich aus Karten und Reisebeschreibungen speiste, sowie<br \/>\ndie mathematischen Berechnungen, die er selbst rekonstruierte,<br \/>\nvorf\u00fchrte. Damit konnte der Vortragende die Exaktheit der Karte des<br \/>\nPtolemaios f\u00fcr einzelne Erdteile beweisen bzw. bei anderen Erdteilen<br \/>\nderen Abweichungsgrad bestimmen. St\u00fcckelberger stellte die<br \/>\nPtolemaios&#8217;sche Kartenprojektion allgemeinverst\u00e4ndlich dar und<br \/>\nvermittelte damit zugleich sehr gut eine Einsicht in die editorische<br \/>\nArbeit an der Neuauflage.[2] Der Vortrag des englischsprechenden<br \/>\nItalieners FRANCO FARINELLI (Bologna) kulminierte im Gedanken, dass der<br \/>\nStaat eine Kopie der Karte sei, denn der moderne Nationalstaat, der dem<br \/>\nkleinterritorialem Gebilde der Feudalzeit entgegengesetzt sei, sei<br \/>\nterritorial homogen, isotrophisch (das hei\u00dft auf ein Zentrum<br \/>\nausgerichtet),von Kontinuit\u00e4t und Homogenit\u00e4t bestimmt . Schon allein um<br \/>\nexistieren zu k\u00f6nnen, m\u00fcssten moderne Staaten ein geometrisches Schema<br \/>\nhaben, ein Modell zur Bildung des Staates, des Staatsgebildes. In diesem<br \/>\nSinne sei der Staat eine Kopie der Karte. Die moderne Welt sei ein<br \/>\nAbbild der Karte. Auf die Semiotik bezogen, auf de Saussure und<br \/>\nBenveniste, argumentierte Farinelli, dass Sprache auf Konzepte, nicht<br \/>\nauf Dinge und auch Karten auf Konzepte und nicht auf Realit\u00e4t<br \/>\nreferieren, insofern sei die Karte eine Konstruktion von Welt. Die Karte<br \/>\nals Ur-Metapher wurde dann auch philosophiegeschichtlich zur\u00fcckverfolgt.<br \/>\nG\u00fcnzel fasste den Vortrag spontan nochmals zusammen, sodass auch eine<br \/>\nDiskussion dar\u00fcber m\u00f6glich wurde. ANNA-DOROTHEE VON DEN BRINCKEN (K\u00f6ln)<br \/>\nhat in einem einst\u00fcndigen Abendvortrag mit den mittelalterlichen<br \/>\nTO-Karten (mit einer Rahmung versehene imago mundi-Darstellungen, die<br \/>\ndas Erdrund mit einem mittig gesetzten trennenden T-Balken darstellen,<br \/>\nder die Erdteile Asien, Europa und Afrika voneinander scheidet) die<br \/>\nBildsymbolik mittelalterlicher Karten bild- , detail- und kenntnisreich<br \/>\npr\u00e4sentiert. Die Darstellung der \u00d6kumene einerseits und des Kosmos<br \/>\nandererseits, die Rahmung der Welt anhand der Entwicklung von den<br \/>\nTO-Karten mit ihren symbolisch zu lesenden Erdteilen und<br \/>\nGew\u00e4sserdarstellung wurde bildreich vor Augen gef\u00fchrt. Symbolik und<br \/>\nEmblematik erl\u00e4uternd, wurde die Kartendarstellung als Ausdruck der<br \/>\nPhilosophie der Antike erkennbar und einsichtig, dass das<br \/>\nText-Bild-Verh\u00e4ltnis durch Darstellungstradition gepr\u00e4gt ist.<br \/>\nInsbesondere wurden die an der Karte ablesbaren<br \/>\nDarstellungsschwierigkeiten vorgef\u00fchrt, seien diese einer mangelnden<br \/>\nBeherrschung der Kulturtechnik geschuldet oder aber der Schwierigkeit,<br \/>\nWissen und Ikonologie zu vereinen.<\/p>\n<p>Mit diesen Hauptvortr\u00e4gen der Tagung waren die geschichtliche und die<br \/>\ntheoretische Grundlegung der Kartographie erfolgt, der sich dann das<br \/>\nPanel anschloss, das exemplarisch einzelne geschichtliche Etappen zur<br \/>\nKenntnis brachte.<\/p>\n<p>Mit JULIANE HOWITZ (Berlin) wandte sich die Tagung der kartographischen<br \/>\nDarstellbarkeit fr\u00fchneuzeitlichen Himmelswissens zu, den<br \/>\nfig\u00fcrlich-allegorischen Sternbildern und den Himmelsprojektionen. Die<br \/>\n\u00fcberraschende Erkenntnis des Vortrags von Juliane Howitz war, dass die<br \/>\nHimmelskartographie der fr\u00fchen Neuzeit nicht an die Landkartographie<br \/>\ndieser Zeit anschliesst, sondern im Darstellungswiderspruch zwischen dem<br \/>\nErfahrungsraum und dem mathematisch-physikalischen Systemraum, also dem<br \/>\nnach Kepler und Galileo entstandenem Wissen um die Himmelsk\u00f6rper und<br \/>\nihrer Bewegungen, steckt und daher in der kartographischen Erfassung zur<br \/>\nUndarstellbarkeit neigt. Die mathematische Berechenbarkeit des Himmels<br \/>\nhat keine ad\u00e4quate kartographische Darstellung gefunden. Die visuelle<br \/>\nDarstellbarkeit bzw. Undarstellbarkeit reflektiert damit ex negativo auf<br \/>\ndie mediale Dimension von Himmelskarten. MARTIN UHRMACHER (Luxemburg)<br \/>\nwandte sich angesichts des Pyren\u00e4enfriedens von 1659 dem Problem einer<br \/>\ninstrumentellen Kartenpolitik zu, dem Machterhalt und der Expansion<br \/>\ndienend, wobei der besondere Fokus auf der in historisch-politischer<br \/>\nDimension gefertigten retrospektiven Rekonstruktionsleistung von Karten<br \/>\nlag. Hier spielte historisch insbesondere die Detailgenauigkeit und die<br \/>\nGr\u00f6\u00dfe eine Rolle, aber auch &#8211; wie sich in der anschlie\u00dfenden Diskussion<br \/>\nherausstellte &#8211; die Farbgebung und die scharfe Linienabtrennung in der<br \/>\neigenen kartografischen Rekonstruktionst\u00e4tigkeit des Referenten. ANTONIA<br \/>\nVON SCH\u00d6NING (Basel) hat in ihrem Vortrag unter Bezugnahme auf die<br \/>\nAkteur-Netzwerk-Theorie und die Foucault&#8217;sche Biomacht &#8211; Politik das<br \/>\nhygienische Dispositiv Paris&#8217; um 1800, das Wasser-, Abwasser-, und<br \/>\nKanalisationssystem in Hinsicht auf die Konstruktionsleistung der<br \/>\nKanalisation hervorgehoben. Sie hat den organischen K\u00f6rper der Stadt<br \/>\ntheoretisch geborgen und in seiner Relevanz f\u00fcr Technik,<br \/>\nSozialorganisation und f\u00fcr die literarische Fiktion herausgearbeitet.<\/p>\n<p>Das anschlie\u00dfende Panel widmete sich der Kunst, einmal aus<br \/>\nkunstgeschichtlicher Perspektive (Schelbert), die Kunst der Architektur<br \/>\nmit der Kartographie in Beziehung setzend, zwei weitere Male aus der<br \/>\nPerspektive der k\u00fcnstlerischen Praxen selbst, einmal aus Sicht der<br \/>\nPerformance und der Installation (Sick), einmal aus der Bildenden Kunst<br \/>\n(Leeb). GEORG SCHELBERT (Trier) hat die Rompl\u00e4ne des 16. bis<br \/>\n18.Jahrhunderts bildreich unter der Bildfigur der Architekturvedute ins<br \/>\nBlickfeld ger\u00fcckt und dabei in der kartographischen Entwicklung den<br \/>\nBogen von der Integration von Architekturveduten, bildlich in den<br \/>\nStadtplan gesetzt als an dieser Stelle Roms befindliche<br \/>\nSehensw\u00fcrdigkeit, bis hin zu den am Kartenrand platzierten Veduten als<br \/>\nzierende Bildelemente geschlagen, die lediglich auf eine Vorstellung von<br \/>\nRom referenzieren. ANDREA SICK hat von der k\u00fcnstlerischen Praxis von<br \/>\nKatharina Hinsberg und Linda Karshan ausgehend, die spezifischen<br \/>\nRaumpraktiken in diesen Arbeiten expliziert und sie in Bezug zu den<br \/>\nGrundanforderungen gesetzt, die eine Karte erf\u00fcllen muss bzw. die die<br \/>\nKartographie auszeichnen. Die Vortragende machte dies, indem sie die<br \/>\nNegation oder vielmehr die Inversion darstellte, die mit den<br \/>\nk\u00fcnstlerischen Verfahren der Rasterung, der Aus- und Aufzeichnung von<br \/>\nR\u00e4umen erzielt werden. Von der planimetrischen Karte, der Einfaltung des<br \/>\ndreidimensionalen Raums in die eindimensionale Karte gehen diese<br \/>\nk\u00fcnstlerischen Arbeiten den umgekehrten Weg, kommen zur umgekehrten<br \/>\nPraxis: die Bodengrundfl\u00e4che wird in den dreidimensionalen Raum<br \/>\nentfaltet. SUSANNE LEEB (Berlin) hingegen hat k\u00fcnstlerische Praxen<br \/>\nvorgestellt, die Karten selbst in die bildk\u00fcnstlerische Arbeit<br \/>\nintegriert haben. Wie Karten als Instrument der Machtpolitik subversiv<br \/>\nauf ihre territoriale Inbesitznahme &#8211; oder im Falle der Migration: des<br \/>\npermanenten Raumentzugs &#8211; hin kritisch hinterfragt werden k\u00f6nnen, das<br \/>\nf\u00fchrte Leeb mit Arbeiten von Dierk Schmidt vor. Auch hier wurde ex<br \/>\nnegativo oder inversiv das Utopische und das Imagin\u00e4re der Karten in der<br \/>\nVerfehlung oder Verkehrung der kartographischen F\u00e4higkeiten erkennbar.<\/p>\n<p>TIMM STARL (Wien) hat die Fotogeschichte nach allen m\u00f6glichen Bez\u00fcgen<br \/>\nzwischen Fotografie und Kartographie durchschritten, Photos in<br \/>\nLandkarten, Karten in Photomontagen und Postkartenbildern aufgezeigt,<br \/>\nwobei touristische Unternehmungen als eine analoge Vorversion von<br \/>\nGeocaching erkennbar wurden. Luftbildaufnahmen als<br \/>\nLandvermessungsinstrumente kamen ebenso vor wie nachbearbeitete Photos<br \/>\nals Karten. Dies warf die vom Referenten unbearbeitete Frage nach der<br \/>\nDefinition von Karte und der theoretischen Fassung von diesen Hybriden<br \/>\nauf. Dies wurde dann insbesondere relevant f\u00fcr die von MANUEL SCHRAMM<br \/>\n(Chemnitz) pr\u00e4sentierten technischen Innovationen in der digitalen<br \/>\nKartographie und den ersten Geographical Information Systems (GIS). Er<br \/>\nbehandelte technische Entwicklungen in der Kartographie, wie z.B. die<br \/>\nTechnik des layering zur Kartenerstellung, brachte den Aspekt der<br \/>\npraktischen Operationalit\u00e4t und der Reversibilit\u00e4t sowie die<br \/>\nAbrufbarkeit von verschiedensten geografische Informationen in einer<br \/>\ndigitalen Karte zur Sprache, ohne all die Aspekte zu theoretisieren.<br \/>\nLARS NOWAK (Trier), Mitorganisator der Tagung, hat im letzten Beitrag<br \/>\nder Tagung auf viele andere Vortr\u00e4ge Bezug genommen. Aus seinem zun\u00e4chst<br \/>\nsehr spezialisiert erscheinendem Filmkorpus arbeitete er jedoch aus der<br \/>\nKonkretion die allgemeinen Probleme und Fragestellungen der Thematik<br \/>\nund damit der Tagung insgesamt heraus. So war ein Gesichtspunkt die<br \/>\nPositionierung der Karten zwischen Bild und Diagramm, die anhand der<br \/>\n\u00c4sthetik der im Film verwandten Karten entschieden wurde. Ein anderer<br \/>\nGesichtspunkt war der instrumentelle politische Gebrauch von Karten,<br \/>\ndabei insbesondere das zum Verschwindenbringen oder die<br \/>\n\u00dcberblendung\/\u00dcberlagerung der ethnischen Minderheit zeigend. Dass das<br \/>\nKartenwesen milit\u00e4rischen Ursprungs ist, ist am Subgenre des<br \/>\nKriegsfilms, der world war II combat -Filme von Ende der 1940er-Jahre so<br \/>\nexemplarisch wie die neoimperialistische Aneignung des Pazifik-Atolls<br \/>\ndurch die USA in den sp\u00e4ten 1940er-Jahren in den Atomtestfilmen.<\/p>\n<p>UTE SCHNEIDER (Duisburg-Essen) hat das Afrikakartenwerk, das im Rahmen<br \/>\ndes Projektes der Weltkarte entstanden ist, untersucht und den<br \/>\n(post-)kolonialistischen Impact in diesem Unternehmen sehr klar<br \/>\nherausgestellt. Das Afrikakartenwerk, das von der Deutschen<br \/>\nForschungsgemeinschaft (DFG) als Forschungsgro\u00dfprojekt gef\u00f6rdert wurde,<br \/>\nwurde 1963 begonnen und ging von der ehemaligen kolonialen Aufteilung<br \/>\nAfrikas aus und hantierte mit deren Fremdheitszuschreibung bzw. der<br \/>\nHerabsetzung Afrikas gegen\u00fcber der westlich-europ\u00e4ischen<br \/>\nfortschrittlichen Zivilisation. Dies wurde \u00fcber den Diskurs der<br \/>\nEntwicklungsgeschichte fortgeschrieben und 1989 scheiternd beendet.<\/p>\n<p>Raumtheoretiker\/-innen sind in vielen Disziplinen zu Hause. Dass sie<br \/>\nsich auf hohem Niveau verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen, auch wenn sie aus<br \/>\nunterschiedlichen Disziplinen kommen und unterschiedliche Zugangsweisen<br \/>\nhaben, das zeigte die Tagung KartenWissen auf das Beste. Besonders<br \/>\nbemerkenswert war dabei das durchg\u00e4ngig hohe Niveau der Vortr\u00e4ge und des<br \/>\nsich daran anschlie\u00dfenden Dialogs. Die Zusammensetzung der Vortragenden<br \/>\nwar nicht nur interdisziplin\u00e4r und international, sie war auch<br \/>\nhinsichtlich des Bekanntheitsgrades und der wissenschaftlichen<br \/>\nArriviertheit, des Alters der Vortragenden gut durchmischt. Man k\u00f6nnte<br \/>\nsagen, sie war nicht nur interdisziplin\u00e4r und international, sie war<br \/>\nauch intergenerationell und zwischen den akademischen Statusgruppen.<br \/>\nEine internationale Fortf\u00fchrung des Dialogs ist mit der Tagung &#8220;Einen<br \/>\nMetapher wie alle anderen? &#8216;Mapping&#8217; und Kartographie in der Literatur<br \/>\nund den Kulturwissenschaften&#8221; in Limoges im November 2010 zu erwarten.<br \/>\nAbstracts zu den Vortr\u00e4gen sowie Audio- und Videomitschnitte finden sich<br \/>\nauf der Homepage des HKFZ[3].<\/p>\n<p>Konferenz\u00fcbersicht:<\/p>\n<p>Stephan G\u00fcnzel (Trier): Das Medium Karte zwischen Bild und Diagramm<\/p>\n<p>Franco Farinelli (Bologna): MapKnowledge &#8211; the Territory, the Space, the<br \/>\nCopy<\/p>\n<p>Alfred St\u00fcckelberger (Bern): Erfassung und Darstellung des<br \/>\ngeographischen Raumes bei Ptolemaios<\/p>\n<p>Gyula P\u00e1pay (Rostock): Historische und theoretische Reflexionen der<br \/>\nBeziehungen der Karte zum Bild und Diagramm<\/p>\n<p>Juliane Howitz (Berlin): Entgrenzung, Entordnung, Entortung.<br \/>\nKartographische Darstellbarkeit fr\u00fchneuzeitlichen Himmelswissens<\/p>\n<p>Martin Uhrmacher (Luxemburg): Der Pyren\u00e4enfrieden von 1659 und seine<br \/>\nUmsetzung im Spiegel der historischen Kartographie. Zur Analyse der<br \/>\nDarstellung komplexer dynamischer Prozesse im Raum<\/p>\n<p>Antonia von Sch\u00f6ning (Basel): Kartenwissen und Kanalisation<\/p>\n<p>Georg Schelbert (Trier): Plan und Bild. Die Rompl\u00e4ne des 16. bis 18.<br \/>\nJahrhunderts im Spannungsfeld zwischen Karte und Architekturvedute<\/p>\n<p>Andrea Sick (Bremen): Auszeichnen und Aufzeichnen von R\u00e4umen. Zum<br \/>\nVergleich zweier k\u00fcnstlerischer Verfahren<\/p>\n<p>Susanne Leeb (Berlin): Die Utopie der Karte und der Un-Ort der Kunst<\/p>\n<p>Anna-Dorothee von den Brincken (K\u00f6ln): Die Rahmung der &#8216;Welt&#8217; auf<br \/>\nmittelalterlichen Karten<\/p>\n<p>Ute Schneider (Duisburg-Essen): Das Afrikakartenwerk<\/p>\n<p>Timm Starl (Wien): Photographie und Kartographie. Zum Verh\u00e4ltnis zweier<br \/>\nBildmedien<\/p>\n<p>Manuel Schramm (Chemnitz): Kartenwissen und digitale Kartographie<\/p>\n<p>Lars Nowak (Trier): Washington im Pazifik. Karten in den<br \/>\npopularisierenden Atomtestfilmen der US-Regierung<\/p>\n<p>Anmerkungen:<br \/>\n[1] Vgl. Gyula P\u00e1pay, Kartographie. In: Klaus Sachs-Hombach (Hrsg.),<br \/>\nBildwissenschaft. Disziplinen, Themen, Methoden, Frankfurt am Main 2005,<br \/>\nS.281-295. Gyula P\u00e1pay, Kartographie. In: Stephan G\u00fcnzel (Hrsg.),<br \/>\nRaumwissenschaften, Frankfurt am Main 2009, S.175-191.<br \/>\n[2] Alfred St\u00fcckelberger u.a. (Hrsg.), Klaudius Ptolemaios, Handbuch<br \/>\nder Geographie. Basel 2006\/2009.<br \/>\n[3]<\/p>\n<p>(29.07.2010).<\/p>\n<p>URL zur Zitation dieses Beitrages<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\nCopyright (c) 2010 by H-Net and Clio-online, all rights reserved. This<br \/>\nwork may be copied and redistributed for non-commercial, educational use<br \/>\nif proper credit is given to the author and to the list. For other<br \/>\npermission, please contact H-SOZ-U-KULT@H-NET.MSU.EDU.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stephan G\u00fcnzel \/ Lars Nowak, Historisch-Kulturwissenschaftliches Forschungszentrum Trier 30.06.2010-02.07.2010, Trier Bericht von: Hedwig Wagner, Zentrum f\u00fcr Medien und Interaktivit\u00e4t, Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen, E-Mail: Die Trierer Tagung war von der Konzeption getragen auf der Grundlage von Analysen historischer und aktueller See-, Himmels-, Land- und Stadtkarten die Kartographiegeschichte , die Raum in historischer Hinsicht thematisiert, mit Kulturwissenschaft zu &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.urban-studies.eu\/?p=327\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &#8220;Tagber: KartenWissen: Territoriale R\u00e4ume zwischen Bild und          Diagramm&#8221;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.urban-studies.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/327"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.urban-studies.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.urban-studies.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.urban-studies.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.urban-studies.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=327"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.urban-studies.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/327\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":328,"href":"https:\/\/www.urban-studies.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/327\/revisions\/328"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.urban-studies.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=327"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.urban-studies.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=327"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.urban-studies.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=327"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}